You are an Ironmanchampion!!!

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Ich hatte noch die Worte von Stefan Petschnigg im Ohr, der letztes Jahr in einem Interview  meinte, dass ich den Ironman Austria einmal gewinnen würde. Klar war das mein Ziel – irgendwann in den nächsten Jahren…, aber ob ich es auch tatsächlich realisieren könnte, das stand in den Sternen. Das es alles andere als leicht sein würde, zeigten mir meine drei vierten Plätze im Vorjahr auf. Man kämpft nicht nur gegen die anderen, sondern auch gegen die eigenen Grenzen.

Als ich am 4. Juli das Wettkampfareal betrat, war ich voll und ganz ruhig. Ich freute mich auf den langen Ironmantag, genoss die mystische Stimmung am Morgen und blickte in die Gesichter der Ironmanstarter. Es war bei den meisten Freude zu sehen, aber auch viel Anspannung und großer Respekt.

Letztes Jahr bei meinem ersten Ironman, konnte ich mir vor dem Start kaum vorstellen die Strecken zu bewältigen. Der Gedanke erdrückte mich fast, schnürte die Kehle zu. Heuer wusste ich, dass es möglich ist und ich freute mich, dass ich gesund und in Topform am Start stehen würde – alles andere würde sich ergeben.

Das Schwimmen verlief für mich optimal. Ich musste nicht an meine Grenzen gehen und war in mitten einer großen Männergruppe, in der auch die meisten österreichischen Profis waren. Ich stieg als zweite Dame (vor mir stieg eine Dame aus der Age Group) aus dem Wasser und freute mich auf das Radfahren, das eigentlich meine Lieblingsdisziplin ist, bei der ich allerdings bei den Ironmanrennen zuvor, immer wieder starke Probleme hatte. Das Ziel beim Radfahren war, ein konstantes Rennen zu fahren. Nicht zu schnell angehen, mein Tempo fahren und auf keinen Fall eine Strafe für Windschattenfahren bekommen. Der Blick auf mein GARMIN Gerät verriet mir sofort, dass ich heute, wie schon bei den Trainings zuvor sehr stark sein würde und somit einer guten Radzeit nichts im Wege stehen sollte. Ich versuchte mich also eher zurück zu halten und regelmäßig zu essen und zu trinken (an dieser Stelle herzlichen Dank an Anna vom pb-shop in Ebbs). In der zweiten Radrunde wurde es dann unerträglich heiß  –  mein Kopf schien unter dem riesigen Zeitfahrhelm zu zerplatzen und knapp vor dem Rupertiberg bekam ich auch noch Krämpfe am linken Oberschenkel. Möglicherweise habe ich das Elektrolytgetränk zu dick zubereitet und generell zu wenig Wasser getrunken. So quälte ich mich also mit Krämpfen den Rupertiberg rauf und versuchte das linke Bein so wenig wie möglich zu belasten. Ich war einfach nur noch froh, als ich den Anstieg hinter mir hatte. Bei der Abfahrt schüttelte ich meine Beine aus, versuchte soviel Wasser wie möglich zu trinken und über den Körper zu leeren. Da ich sehr viel Vorsprung auf Barbara Tesar, der Zweitplatzierten, hatte, konnte ich es mir leisten das Tempo zu reduzieren und tat alles, damit ich für das Laufen wieder einigermaßen frisch wurde. Die Krämpfe gingen zwar weg, die Beine blieben aber schwer.

Die ersten Laufkilometer waren also sehr schwer. Die Beine waren müde und ich konnte mir kaum vorstellen die Marathondistanz zu bewältigen. Der ursprüngliche Vorsprung vor meinen Problemen am Rad, reduzierte sich von über 6min auf gute 2. Hinter mir waren Barbara Tesar und eine sicherlich sehr motivierte Bella Bayliss. Rebecca Presten, die Siegerin von 2007 hatte aufgrund von Krämpfen beim Radfahren aufhören müssen. Ich versuchte also das Beste aus der Situation raus zu holen, obwohl Foto Josef Bollweinich nicht wirklich daran glaubte meine Führung beibehalten zu können, denn ich fühlte mich weder gut, noch schnell. Zur Müdigkeit kamen dann auch noch Magenschmerzen und -probleme hinzu. Außer Wasser konnte ich nichts mehr aufnehmen. Trotzdem baute ich meine Führung aus, Minute um Minute. Bei km 16, nach einer WC Pause fühlte ich mich dann auch etwas besser. Die Beine wurden etwas leichter, der Magen war zwar nicht Ordnung, aber zumindest konnte ich hin und wieder ein Gel aufnehmen.

So kämpfte ich also weiter. Kilometer um Kilometer, Schritt für Schritt, motiviert von den unzähligen Zuschauern am Streckenrand, die mich stets und überall pushten. Nach km 20 fühlten sich die Beine sogar einmal richtig gut an und als ich bei km 25 die Nachricht bekam, dass Bella Probleme hatte und Barbara immer weiter zurück fällt, wusste ich, dass ich gut unterwegs war. Ich musste nicht intensiver an meine Grenzen gehen und hatte einfach die Aufgabe so weiter zu laufen, dann hätte ich vielleicht die Chance zu gewinnen, so verrückt dieser Gedanke auch war.

Bei km 35 als ich durch das Zentrum von Klagenfurt lief, gefeiert von den Unmengen von Zuschauern, begann ich zu es zu realisieren. Ich würde heute meinen ersten Ironman gewinnen. Ich war von Gänsehaut überströmt und begann zu lachen, es langsam zu realisieren. Der Vorsprung war riesig und ich wusste, auch wenn ich jetzt noch Probleme bekommen würde, könnte ich es immer noch schaffen.

Ich begann den Lauf, trotz Muskelschmerzen immer mehr zu genießen. Ich feierte meine letzten 4 Kilometer. Viele Foto Josef  BollweinGedanken gingen mir durch den Kopf, über das vergangene Jahr, das harte Training und heute, an diesem Tag sollte alles aufgehen, ein sportlicher Traum sollte in Erfüllung gehen. Ich begann immer mehr zu strahlen. Bereits 2 Kilometer vor dem Ziel begann ich zu jubeln und klatschte die Leute ab, die mir an diesem Tag soviel Kraft gaben. Als ich in den Zielkanal einbog, kamen mir die Tränen. Mein Vereins- und Trainingskollege und Freund Wolfgang Achrainer überholte mich in diesem Moment. Wir hatten es beide geschafft. Er trotz Achillessehnenproblemen und ich am Ziel meiner Träume. Ich zelebrierte meine letzten Metern, übermannt von unzähligen Gefühlen, Gänsehaut am ganzen Körper, schwebend, strahlend, lachend, weinend und jubelnd. Ich war im Ziel, hatt es es geschafft und ich siegte, nie im Leben hatte ich gedacht, dass dies an diesem Tag passieren würde. Im Ziel umarmte ich zuerst Wolfi, dann Stefan Petschnigg und zu guter Letzt Heli, meinen Mann, Trainer und besten Freund, der immer für mich da ist und an mich glaubt, auch wenn ich es mal nicht tue. Tränen, Erleichterung und vor allem DANKBARKEIT waren die Emotionen. Ich hatte es geschafft!!  I am an Ironmanchampion. Ich habe gewonnen!!!!!!!!!

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Eine Antwort to “You are an Ironmanchampion!!!”

  1. Helmut Ipser Says:

    Einfach schön zu lesen. Vorallem wenn man es so wir ich auch zum ersten mal – nicht zu gewinnen sondern den IM zu finishen 😉 – erlebt hat.
    Mit sportlichen Grüßen Helmut

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