Die Aufgabe …

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Ich entdeckte endlich Heli, der wild gestikulierend in der Menschenmenge am Absperrgitter winkte und fuhr zu ihm hin. Er umarmte mich, hob dann sofort das Rad über die Absperrung und schüttelte fassungslos den Kopf. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auf die Spitzengruppe, in der ich war bereits 4 Minuten Rückstand!

Vorderrad war ok, das Hinterrad drehte sich aber nicht wie sonst eine Minute lang im Freilauf, sondern blieb nach gut einer Umdrehung stehen. So ein Scheiß, so ein Scheiß schrie er!!! Er schaute sich die Bremse an, die an einer Seite voll am Laufrad anstand und auf der anderen Seite viel Spiel hatte. Dann öffnete er den Schnellspanner und in diesem Augenblick ruckte das Laufrad wieder 2-3 Millimeter in die Mitte und lief wieder komplett frei!!!

Wie konnte das passieren – wir hatten doch alles kontrolliert? Wie konnte so was nur passieren – Herwig hielt mir sein Handy ans Ohr – schnell ein Statement – schließlich wollen die Zuschauer zu Hause wissen was passiert ist. Ich konnte Christopher de Ryan kaum hören, da das Hubschraubergeräusch so laut war, er konnte mich kaum hören…ich versuchte ihm in diesem Lärm zu erzählen was passiert ist…konnte mir aber keinen Reim machen wie so etwas passiert… Im Gespräch mit ihm kam mir dann der Gedanke, dass dies wohl sofort in der Wechselzone oder beim ersten Antritt auf dem Rad passiert sein musste. Das alles versuchte ich Christopher schnell und bei extremer Hektik übers Handy mitzuteilen und Heli sagte auch noch was von „der Schnellspanner war nicht wirklich 100%ig voll angezogen“ und dadurch hätte sich das Laufrad eben verschieben können…

Mittlerweile war meine Familie, meine Schwester, meine Mutter und Agni, meine Masseurin und Mentalcoach gekommen. Sie nahmen mich alle liebevoll in den Arm, unzählige Umarmungen, 1000 Tränen! Es war so bitter und es tat so gut einfach nur gehalten und getröstet zu werden.

Unzählige Zuschauer wollten Fotos von mir haben – sie wollten mit einem Olympiateilnehmer fotografiert werden. Ich ließ es geduldig über mich ergehen und war auch irgendwie darüber berührt, dass sie mich so hochleben ließen… lachen und weinen gleichzeitig!!!

Ich schaute mir das Rennen zu Ende. Trauer, Tränen und später auch Aggression wechselten sich ab…. Schuldig fühlte ich mich aber in keinster Weise – im Eifer des Gefechts, bei 180 Puls denkt man anders, als nach dem Rennen wo man weiß wo das Problem gelegen ist. Einen Schuldigen gab es auch nicht – mehr als kontrollieren geht nicht!

Immer wieder kamen SMS bei meiner Familie an, alle sind traurig, haben Tränen in den Augen, fühlen und leiden mit. Ich begann mit mir zu hadern – die Frage WARUM PASSIERT SOWAS AUSGERECHNET MIR? BEI MEINEM WICHTIGSTEN RENNEN! So viele Emotionen. Es tat so gut meine Familie bei mir zu haben. Immer wieder Umarmungen, soviel Liebe und Trost, die Tränen wurden weniger, das Lachen kam zumindest hin und wieder zurück.

Es hat nicht sollen sein. Es gibt viel, viel Schlimmeres im Leben, waren meine ersten tröstenden Gedanken wenige Minuten nach dem Rennen und ich weiß tief in mir, dass ich auch ohne Platzierung ein wertvoller Mensch bin. Dieses Gefühl gaben mir die Zuschauer, die mich schon im ersten Moment der Aufgabe hochleben ließen. Dieses Gefühl gaben mir meine Mutter, meine Schwester, Agni und Heli sowieso! Ich weiß in diesem bitterem Moment wie groß ich bin, wer ich bin und was ich kann!

Eure Eva

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2 Antworten to “Die Aufgabe …”

  1. MARIO URTHALER Says:

    und vor allem weißt du nun wer wirklich deine freunde sind…

  2. Ina Paulweber Says:

    Hallo Herr Wörndle,

    können Sie mir bitte sagen, wann Eva in Innsbruck ankommt? Wir würden Sie gerne am Flughafen begrüßen.
    Besten Dank
    Ina Paulweber
    0512/5313-1217

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